Gießen sehen und … ? (von Torsten Härtelt)

CVL%20Gie en%20006[2]Nein, so schlimm war´s dann doch nicht. Nach komfortabler dreieinhalbstündiger Reise mit ICE und Hessischer Landesbahn (Slow Food legt wert auf die Anreise per Bahn und rennt bei mir damit offene Türen ein…)  kam ich in Gießen an, das Wetter machte dem Stadtnamen kurz danach alle Ehre und hörte erst mit unserer Abreise wieder damit auf.

Die Bahnhofstraße machte alles andere als Mut, ca. 25 Läden nebeneinander auf jeder Seite die sich mit Mobiltelefonen, Döner, Spielautomaten, Döner mit Spielautomaten oder Gold (ausnahmslos ohne Döner) beschäftigten. Man kommt aber auch am Mathemathikum und am Justus-Liebig-Museum vorbei – er war es, der uns den Fleischextrakt und den Phosphatdünger einbrockte… Spontan fiel mir eine Abwandlung des Brecht-Wortes ein: das beste an Gießen ist der Zug nach… wohin auch immer.

Gut zehn Minuten später kam ich zur vielbefahrenen Ringstraße “Westanlage” und stand sogleich vor dem Hotel und oh Wunder, drinnen war vom Blechkrieg draußen nichts zu hören. Hübsches Hotel, hübsches Zimmer – was will man mehr.

Bis zum Abend trudelten die meisten “Kollegen” ein und stärkten sich landestypisch mit Äbblwoi und dem einen oder anderen Bier in der Hausbrauerei “Alt Gießen” (das Helle, unbedingt das Helle!)

Am Samstag um 8 Uhr 30 hieß es Abmarsch zur Besichtigung des Wochenmarktes und darum – wenn auch sonst nicht um viel – darf und muß man die Gießener beneiden. 63 Stände, teilweise fest installiert, boten ihre Waren feil, überwiegend aus eigener Produktion. Im Sommer sind es noch etliche mehr.

Zurück über den Marktplatz und durch die wildromantische Bahnhofstraße ins Verbindungshaus der Burschenschaft Darmstadtia, wo Anias Dinse (www.dinsesculinarium.de ist einen Blick wert!) vom Convivium Mittelhessen einen Tagungsort der anderen Art für uns vorbereitet hatte. Leider waren Fotos unerwünscht und so gibt´s hier nur eine Außenaufnahme der Villa von 1905. Die Darmstadtia ist quasi “schlagend light”, man ist weder übermäßig rechts (im Haus wohnen diverse Nationen auch der Südhalbkugel),  noch schlägt man sich bevor man sicher ist sich nicht zu verletzen. Die Biervorräte im Keller ließen eher auf gutmütig-gesellige Burschen schließen.

Und damit sind wir beim anstrengenden Teil der Tagung, denn Stillsitzen und Zuhören ist nicht so ganz einfach, gerade wenn ein Redner eine Stunde vorwiegend mit den Worten System, Problem, Ähhh, im Prinzip und quasi ausfüllt. Ich war nicht der einzige, der vorzeitig die Kaffeepause besuchte – gut so, sonst gäbe es das Bild nicht in dieser Form… So wunderbar wie die diversen Kuchen waren auch die beiden leichten Mittagsverpflegungen (Selleriecremesuppe mit Chilikartoffeln und Koriandersahne, Kartoffel-Wirsing-Suppe bzw. herzhaftes und süßes Fingerfod vom Bio-Caterer.

Bei der Tagung an sich ging es quer durch den Gemüsegarten der Slow-Food-Welt – vom Magazin über den Genußführer, die EDV, rechtliche Fragen der Schneckenlogo-Nutzung, die Chef-Alliance (professionelle Gastgeber kucken bitte mal aufhttps://www.facebook.com/Chef-Alliance-1575258556046276/?fref=ts), Berichte aus den Convivien und vieles mehr als Vorträge und Workshops.  Kostproben gefällig? Wie verhält sich der Genußführer, wenn ein Lokal “Industriebier” – also mit Hopfenextrakt, der für uns ja tabu ist – ausschenkt? Der Genußführer hat sich 20.000mal verkauft, als e-book 200mal. Die Mitgliederzahl von slow food Deutschland stieg seit 2010 von 9.000 auf 14.000. Wer unser Schneckenlogo unberechtigt nutzt bekommt Anwaltspost – der Brief kostet schon mal 1.400 Euronen, der Rest kann durchaus 35.000 kosten. Slow Meat oder vegan? Sonnenäcker und Migranten. Fisch Freunde undundund…

85 Convivien gibt es in Deutschland und ungefähr zwei Drittel aus allen Landesteilen waren vertreten – mancher wünschte sich hochdeutsch als gemeinsame Tagungssprache…

 

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