Haselnuss Genuss pur !

Endlich komme ich dazu, auf unseren Besuch bei Franken Genuss in Gonnersdorf bei Cadolzburg zurückzublicken.
Was für eine schöne Geschichte von Fritz und Martin Stiegler. Vielleicht wird da mal ein Musical draus.
Denn der Hof der Stieglers hat eine lange Geschichte. Er ist seit 1670 im Familienbesitz, immer wieder vererbt von Vater an Sohn. Fritz Stiegler hat den Hof 1987 im Prinzip schuldenfrei von seinen Eltern übernommen. Vom väterlichen Betrieb mit Milchkühen hatte er zunächst auf den Tabakanbau umgesattelt.  Der Nussanbau war dann anfangs ein ganz neues Gebiet für ihn. Doch wie kam er überhaupt auf die Nuss? Es war Einfallsreichtum und Überlebenswille! Als die EU die Subventionen für den deutschen Tabak kippte, suchte er nach einem gangbaren Weg in die Zukunft. Er wollte sich dabei nicht verschulden, keine riesigen Kuhställe bauen oder viele Hektar Land dazu pachten müssen. „Ich wollte mich auf irgendwas besinnen, was heimisch ist. Und die Haselnuss ist heimisch – und der Markt in Deutschland für die Nuss ist riesengroß“, sagt er.

Fritz Stiegler

Geradezu ein Armutszeugnis sei es für Deutschland, dass es nicht fähig sei, den eigenen Bedarf an Nüssen anzubauen, ist sich Fritz Stiegler sicher. Noch stammen die Haselnüsse im Handel in der Regel aus Frankreich, Italien und rund 70 % aus der Türkei. Aber genau das will der Haselnussbauer Fritz Stiegler ändern.
Die Nuss ist in den letzten Jahren zum Hoffnungsträger geworden – als Alternative zu bisher angebauten Kulturen. Auf seinem vier Hektar großen Acker fing er 2006 an, die ersten Haselnusssträucher zu pflanzen. Inzwischen wachsen dort ungefähr 3.000 Pflanzen. Anfangs waren es rund 50 Sorten. Doch nach und nach stellte sich heraus, welche für seine Zwecke taugten und welche aussortiert und durch andere Stauden ersetzt werden mussten. Die Sorten, die viele Früchte tragen, werden nach gepflanzt  Die Anlage von Fritz Stiegler ist in der Region einmalig und gilt als Experimentierfeld für die unterschiedlichsten Haselnussarten.
Während andere Bauern im Winter ihre Ruhe haben, muss Fritz Stiegler bangen. Der Haselnussbauer in Gonnersdorf nähe Cadolzburg marschiert täglich zu seinen Bäumen, um die Blütenstände zu kontrollieren. Im Frühjahr dann gilt es, die Wurzelschosser – also die Nebentriebe der Haselnussstaude – zu entfernen. Das nimmt Wochen in Anspruch. Und kurz darauf sieht Fritz Stiegler dann, welche Pflanzen den Winter überlebt haben.
Doch auch der Sommer hat seine Tücken: Gerade in Franken regnet es extrem wenig – und so kommen die Sträucher in den Genuss einer ständigen „Tröpfchenberegnung“. Viel Aufwand – aber unumgänglich.
Vom Feld bis zur geknackten Nuss sind es dann noch 15 (!) Arbeitsgänge. Und wenn die geknackte Nuss vor uns liegt sind nur noch 50 % übrig. Aber im Sinne nachhaltigen Wirtschaftens werden die Schalen geshreddert und als Mulchmaterial angeboten. Ideal wegen der Dichte (das Unkraut kommt nicht durch) und schneckenunfreundlich weil so scharfkantig.
Neben den 6 Tonnen aus eigenem Anbau kaufen die Stieglers jährlich noch 12 Tonnen von benachbarten und befreundeten Landwirten zu. Diese beraten sie auch in Sortenauswahl und Anbaumethoden damit eine gleichbleibende Premiumqualität sichergestellt ist.
2014 brachte dann ein Desaster für die Familie. Fast der komplette Hof brannte ab. Aber auch einen Neuanfang. Denn der Fritz Stiegler wollte nicht mehr nur Zulieferer für andere Betriebe sein, sondern gleichzeitig auch selbst Nussverarbeiter. Und das traf sich gut.
Denn sein Sohn Martin wollte einsteigen.
 
Als der Hof abbrannte hatte Martin Stiegler an der Fachhochschule für Landwirtschaft in Triesdorf gerade seinen Bachelor erlangt. Und so einigten sich Vater und Sohn darauf, dass der Vater die Landwirtschaft betreibt und der Sohn mit seiner eigenen Firma – der Franken Genuss – die Verarbeitung übernimmt. Nach seinem Landwirtschaftsstudium sammelte er noch zahlreiche Erfahrungen in einem Haselnuss-Großbetrieb in den USA. Dort bekam er zahlreiche wichtige Impulse für den Anbau und die Veredelung von Haselnüssen und vor allem auch hinsichtlich der Vermarktung. Mit einem umgebauten Kaffeeröster verarbeitet er nun seine Haselnüsse selbst. Durch das Rösten gewinne die Nuss mehr Aroma und schmecke danach intensiver und mehr oder weniger nach Nougat, schwärmt Stiegler. Heute gibt es Haselnussöl, Haselnuss-Creme (mit 55 % Haselnüssen und nicht wie beim Marktführer mit 15 %), Haselnussnudeln, Haselsnusscantuccini, Haselnuss-Salz und sogar Haselnuss-Toffie.
Martin Stiegler legt auch Wert auf die regionalen Wirtschaftskreisläufe. Egal ob Verpackungen, Etiketten oder das Mehl, alles kommt aus der Region. Ebenso wie viele seiner Abnehmer – wie die Sterneköche Alexander Herrmann oder Felix Schneider oder den Freibäcker Arnd Erbel und die Confiserie Rieglein.
Seinen eigenen Landwirtschaftsbetrieb hat Fritz Stiegler auf Bio umgestellt. Ab 1.1.2018 tragen seine Nüsse dann auch das Biosiegel und es werden dann zwei Produktlinien angeboten.
Alles in allem eine gelungene Geschichte, wenn der Vater mit dem Sohne gemeinsam an Premium Qualität aus Franken arbeitet.
 Tolles Produkt. Tolle Produzenten, die von ihrer Arbeit beseelt sind und uns Slow Foodern einen tollen Tag beschert haben.
Danke Fritz, Danke Martin.
Danke an Thomas Späthling für die Fotos
Advertisements

  1. Hallo Claus,

    Danke lieber Kollege für diesen schönen Bericht. Ich werde den Betrieb bei uns in der Genussgemeinschaft Städter und Bauern auch mal vorstellen. Falls es erlaubt ist euren BLOG Bericht einzubauen, gerne. Ansonsten verlinke ich direkt zum Betrieb.

    Herzliche Grüße Marlene

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s