Rückblick auf den Kinderkochkurs – hier ging´s um die Wurst (von Torsten Härtelt)

Der letzte KiKoKu begann mit einer Bahnfahrt auf´s Land – als Reiseleiterinnen fungierten unsere KikokuMeisterin Helga und ihre liebe Freundin Herta (sonst „darf“ sie nach den Kursen immer mit aufräumen). In Heilsbronn wurden wir von Torsten Härtelt erwartet, der uns durch grüne Auen am Ortsrand entlang – vorbei an der Mitte Mittelfrankens – zum Metzgermarkt von Jakob Kupfer führte. Hier roch es gleich sehr verführerisch und machte neugierig auf die Dinge, die da kommen sollten. Zunächst versorgte uns Julia Kupfer mit Getränken, so eine halbe Stunde Fußmarsch ist ja nicht ohne… Dann begrüßte uns Jakob Kupfer und wir waren auch schon mitten drin. Seit dem 4.10.2017 gibt’s die neue Metzgerei und über 90 Sorten Wurst werden hier selbst produziert. Jakob erklärte uns aber auch, daß es für ihn und seine Frau „zurück zu den Wurzeln“ ist (Jakobs Vater, Großvater und Urgroßvater sind auch alle Metzger), denn er geht hier wieder zurück zum handwerklichen metzgern mit Tieren von „normalen“ Bauernhöfen. Zum Beispiel werden hier hällische Schweine verarbeitet, die nicht in der Massentierhaltung mit ungeheurem Medikamenteneinsatz aufwachsen und ein glückliches Leben haben. A propos Leben – Jakob erklärte uns auch, daß man vor seinem Essen großen Respekt haben muß, schließlich starb ein Tier dafür. Bevor´s um die Wurst ging, lernten wir also eine ganze Menge über Leben und Sterben eines Tieres.

Und nun wurden wir alle weiß – Hygiene ist ganz wichtig und so bekamen wir alle einen weißen Metzgerkittel, Überschuhe und Haarnetze, denn in den Haaren sitzen die meisten Bakterien. Finger mit Pflaster wurden durch einen schwarzen Handschuh verhüllt. Ab in die Kälte in eine Welt aus Fliesen und Edelstahl! Jakob erklärte uns alle Maschinen vom großen Wolf über den Kutter und die Füllmaschine bis hin zum Kotletthacker, wir sahen die Koch- und Räucheröfen undundund… Tja, und dann ging es nicht um, sondern an die Wurst. Jakob hatte Fleisch vorbereitet und wir bereiteten eine Würzmischung für die fränkische bzw. Ansbacher Bratwurst zu. Die Mischung wurde dann gleichmäßig auf den großen Fleischstücken verteilt und im Anschluß durch einen kleinen Bruder des großen Wolfs gedreht. Vorher hat Jakob die Maschine zusammengebaut und uns die Einzelteile erklärt. Der Inhalt der vier Wannen wurde nochmal ordentlich durchgeknetet und aus vier Wannen wurde eine, denn nun ging´s an die Füllmaschine. Zweierlei Därme mußten auseinandergefädelt, der Anfang gesucht und dann auf den Füllstutzen geschoben werden. Um dann das Brät in den Darm zu bekommen, braucht´s Finger- und Kniespitzengefühl – die Menge wird nämlich durch Druck mit dem Knie auf einen Schalter aus der Maschine geschoben. Gar nicht so einfach, hat uns allen aber sehr viel Spaß gemacht. Dann die Würste voneinander trennen, in kleine Wannen legen und immer wieder mal Brät von oben nachschieben. Puuuh! Einen Teil unserer Würste haben wir in der Küche gebraten und jeder bekam auch etliche mit nach Hause. Am gedeckten Tisch ließen wir uns unsere Arbeit dann mit Limo, Kartoffelsalat und Brez´n schmecken und es war einfach köstlich! Selber gemacht ist halt immer besser…

Alle Bilder von Torsten:

Ganz lieben Dank an Jakob und Julia Kupfer für diesen wunderschönen, lehrreichen Nachmittag!

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Neue Nürnberger Bierwelt (von Peter Schubert)

So ändern sich die Zeiten: War vor ein paar Jahren noch vom großen Brauereisterben die Rede, hat sich dies nun ins Gegenteil gekehrt und Dank der lebendigen Craft Beer Szene entstehen jetzt wieder unzählige Möglichkeiten, neue/andere Biere zu erleben. Grund genug für uns, dies ganz lokal zu erforschen und die „neue Nürnberger Bierwelt“ zu erkunden und erschmecken.

Unter der kompetenten Leitung von Boris Braun, Autor (z.B.: http://www.brauereiatlas.de) und Brauerei-Experte aus Nürnberg, der diese Tour für uns zusammengestellt hat, wurden wir zu interessanten Personen und Orten geführt – und vorbildlicherweise natürlich alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln angesteuert.

 

Ausgangspunkt war die urige Schanzenbräu-Schankwirtschaft in Gostenhof mit einem Mittagsessen (um die passenden „Grundlagen“ zu schaffen) und gleichzeitig vier verschiedene Biere dieser 2004 entstanden Brauerei zu verkosten.

Um 14:30 machten wir uns dann mit dem Bus auf den Weg in die orca-brau nach Großgründlach, wo wir vom sympathischen Felix von Endt empfangen wurden. Ebenfalls anwesend sein Brauerkollege Karsten Buroh von der Craft Bier-Manufaktur Eppelein & Friends. An frisch gezimmerten Holztischen deuteten die bereit stehenden Gläser an, dass uns noch weitere Geschmackserlebnisse erwarten werden.

Es entwickelten sich innerhalb kürzester Zeit interessante Gespräche zu Kreativbieren, zu Tradition und Handwerk, zu Reinheits- und/oder Natürlichkeitsgebot und zur Philosophie, die hinter all dem steckt. Es würde den Rahmen sprengen, all die vielen Informationen wiederzugeben und ich kann nur empfehlen, selbst mal bei Felix oder Karsten vorbeizuschauen und mit ihnen zu diskutieren – es lohnt sich! Alle Informationen, wann, wie und wo die Brauer zu erreichen und ihre Biere zu probieren oder kaufen sind, finden sich auf deren jeweiligen Internetseiten, zu welchen ich verlinkt habe.

Neben einer Brauereiführung gab es natürlich zahlreiche Kostproben von orca brau, Eppelein & Friends und zusätzlich noch von Honig-Bräu aus der Südstadt. Es waren sehr sehr unterschiedliche Geschmacksrichtungen und entsprechend unterschiedlich fielen natürlich die Urteile dazu aus. Was aber alle einte: Der Bierhorizont hat sich gewaltig erweitert und oftmals ergaben sich Gespräche, zu welchem Essen nun wohl dieses Bier passen würde…ein Ding, das so früher wohl eher selten der Fall war.

Um 18:15 bemühten wir dann wieder unsere Fahrer der VAG, um zur letzten Station aufzubrechen. Luke Kennedy hatte seinen gemütlichen und sehenswerten Brewpub „Mr. Kennedy“ im Brunnengässchen unterhalb der Burg, extra für uns schon eine Stunde früher um 19:00 geöffnet, um uns mit 3 weiteren Proben zu erfreuen. Auch bei Luke war zu spüren, dass er Brauer mit Leidenschaft ist und so hörten wir auch von ihm weitere interessante Geschichten (in verbaler und flüssiger Form).

Wer dann immer noch nicht genug vom Bier hatte, durfte anschließend sitzen bleiben (keine Sorge, wir konnten alle noch stehen!!) und aus der großen Bierkarte auswählen. Es war ein wirklich spannender, informativer aber auch humorvoller Ausflug in die neue Nürnberger Bierwelt und – großes Lob an alle – ein Tag ohne irgendwelche Ausfallerscheinungen der Teilnehmer. Der bewusste Genuss stand eindeutig im Vordergrund und nicht die Füllmenge der Biere und Körper…

Ganz besonders möchte ich mich bei Boris bedanken, der uns diese vielen Einblicke ermöglicht hatte und in gewohnt guter Zusammenarbeit für einen reibungslosen Ablauf sorgte. Ganz herzlichen Dank auch an Felix von Endt, der sich so viel Zeit für uns nahm und mit dem wir das Thema Kreativbiere von allen Seiten beleuchten durften. Karsten Buhro und Luke Kennedy sorgten dann noch für die perfekte Ergänzung – sie gaben nicht nur ihren Senf sondern auch ihren Hopfen dazu…

Ein paar visuelle Eindrücke (leider nur mit der Handykamera) können die geschmacklichen Eindrücke zwar nicht ersetzen, doch veranschaulichen.

 

 

Rückblick auf „Alles aus einem Topf“ (von: Helga Balletta)

Was wärmt Leib und Seele besser in der kalten Jahreszeit, als ein wohlschmeckender Eintopf? Aus diesem Grunde hat sich unser Kinderkochkurs im Februar dem Thema ausführlich genäh(e)rt – und zwar in gewohnt abwechslungsreicher Art und Weise. Sechs Kinder und vier Eintöpfe aus verschiedenen Ländern, da gab es viel zu schnippeln und zu probieren.

  • Gaisburger Marsch mit Rindfleisch, Gemüse, Kartoffeln und Spätzle
  • Indisches Gemüsecurry mit Kokos
  • Marokkanischer Lammtopf mit Kichererbsen und vielen Gewürzen und Kräutern
  • Aus Japan: Rettich, Lachs, Tofu und Spinat

Jede der Köchinnen hatte am Ende ihren eigenen Favoriten, aber da sie ja immer für eine Überraschung gut sind: das japanische Rezept kam bei ihnen super an!

Die Bilder (wie immer mit Genehmigung der Eltern) können zwar den Geschmack nicht annähernd wiedergeben, doch man ahnt die Düfte und die schmackhaften Zutaten.

 

Fotos: Helga Balletta

Kinderkochkurs „Weiß wie Schnee“ (von Peter Schubert)

„Weiß wie Schnee“ lautete das Motto des Kinderkochkurses im Januar! Nachdem der Winter bezüglich der Farbe Weiß ja bisher zurückhaltend war, wurde zum Trotz ein köstliches Menü mit allen Zutaten „ganz in Weiß“ aufgetischt! Mal sehen, ob sich das Wetter nun davon inspirieren lässt…

Es gab:

Mozzarella-Schneemänner im Rettichschnee

Schwarzwurzelsuppe mit Croutons (die Suppe ist allerdings etwas „errötet“, weil als vorbildliche Resteverwerter der Rest der „Schneemann-Nasen-Karotte“ mit verkocht wurde)

Reis mit Fisch in Kokossoße

Iles flottantes: Da hat die Natur allerdings einen kleinen Strich durch die (Farb-)Rechnung gemacht, denn die netten Hühner hatten nur Eier mit zwei (!) Dottern gelegt. Der Geschmack war allerdings super!

Auch diese Kochkurs konnte wieder begeistern mit den Ideen und der entsprechenden geschmackvollen Umsetzung. Unsere Helga Balletta ist einfach die Beste (sozusagen ein Engel im weißen Gewand…)

Fotos: Helga Balletta

Kinderkochkurs Schokolade (von Helga Balletta)

 

Der letzte Kinderkochkurs des Jahres 2017 mit dem Thema „Schokolade“ war das Richtige für alle Naschkatzen unter unseren KöchInnen.

Gleich zum Auftakt gab es eine
– heiße Schokolade mit weihnachtlichen Gewürzen und danach eine
– Schokoladenflammeri (natürlich nicht von Dr. O. !!)

Die meisten hatten schlauerweise vorher etwas Herzhaftes gegessen, aber dann trotzdem von unseren anderen Köstlichkeiten nur probiert und den Rest mitgenommen.

Wir haben:

  • Marzipan mit Früchten (Datteln, Zwetschgen und Aprikosen) umhüllt und dann in Schokolade getaucht (eine ziemliche Fisselarbeit für unsere Kleinen)
  • Nussschokolade in weiß, Vollmilch und Zartbitter hergestellt und dafür eine Menge Mandeln, Hasel- und Erdnüsse gehackt
  • Orangenganache in Förmchen gefüllt (einiges landete auch daneben…)
  • eine saftige Schokotarte gebacken.

Wer noch Zeit und Lust hatte, konnte aus den Grundzutaten, natürlich alle bio und fair, seine eigene Schokolade rühren. Die Kakaobohnen haben übrigens die Eltern unserer Jungköchin Sephora aus ihrer Heimat Burkina Faso mitgebracht.

Und ich habe lieber keine Fotos gemacht, wie dieses Mal die Küche aussah!!

Text/Fotos: Helga Balletta

 

 

Haselnuss Genuss pur !

Endlich komme ich dazu, auf unseren Besuch bei Franken Genuss in Gonnersdorf bei Cadolzburg zurückzublicken.
Was für eine schöne Geschichte von Fritz und Martin Stiegler. Vielleicht wird da mal ein Musical draus.
Denn der Hof der Stieglers hat eine lange Geschichte. Er ist seit 1670 im Familienbesitz, immer wieder vererbt von Vater an Sohn. Fritz Stiegler hat den Hof 1987 im Prinzip schuldenfrei von seinen Eltern übernommen. Vom väterlichen Betrieb mit Milchkühen hatte er zunächst auf den Tabakanbau umgesattelt.  Der Nussanbau war dann anfangs ein ganz neues Gebiet für ihn. Doch wie kam er überhaupt auf die Nuss? Es war Einfallsreichtum und Überlebenswille! Als die EU die Subventionen für den deutschen Tabak kippte, suchte er nach einem gangbaren Weg in die Zukunft. Er wollte sich dabei nicht verschulden, keine riesigen Kuhställe bauen oder viele Hektar Land dazu pachten müssen. „Ich wollte mich auf irgendwas besinnen, was heimisch ist. Und die Haselnuss ist heimisch – und der Markt in Deutschland für die Nuss ist riesengroß“, sagt er.

Fritz Stiegler

Geradezu ein Armutszeugnis sei es für Deutschland, dass es nicht fähig sei, den eigenen Bedarf an Nüssen anzubauen, ist sich Fritz Stiegler sicher. Noch stammen die Haselnüsse im Handel in der Regel aus Frankreich, Italien und rund 70 % aus der Türkei. Aber genau das will der Haselnussbauer Fritz Stiegler ändern.
Die Nuss ist in den letzten Jahren zum Hoffnungsträger geworden – als Alternative zu bisher angebauten Kulturen. Auf seinem vier Hektar großen Acker fing er 2006 an, die ersten Haselnusssträucher zu pflanzen. Inzwischen wachsen dort ungefähr 3.000 Pflanzen. Anfangs waren es rund 50 Sorten. Doch nach und nach stellte sich heraus, welche für seine Zwecke taugten und welche aussortiert und durch andere Stauden ersetzt werden mussten. Die Sorten, die viele Früchte tragen, werden nach gepflanzt  Die Anlage von Fritz Stiegler ist in der Region einmalig und gilt als Experimentierfeld für die unterschiedlichsten Haselnussarten.
Während andere Bauern im Winter ihre Ruhe haben, muss Fritz Stiegler bangen. Der Haselnussbauer in Gonnersdorf nähe Cadolzburg marschiert täglich zu seinen Bäumen, um die Blütenstände zu kontrollieren. Im Frühjahr dann gilt es, die Wurzelschosser – also die Nebentriebe der Haselnussstaude – zu entfernen. Das nimmt Wochen in Anspruch. Und kurz darauf sieht Fritz Stiegler dann, welche Pflanzen den Winter überlebt haben.
Doch auch der Sommer hat seine Tücken: Gerade in Franken regnet es extrem wenig – und so kommen die Sträucher in den Genuss einer ständigen „Tröpfchenberegnung“. Viel Aufwand – aber unumgänglich.
Vom Feld bis zur geknackten Nuss sind es dann noch 15 (!) Arbeitsgänge. Und wenn die geknackte Nuss vor uns liegt sind nur noch 50 % übrig. Aber im Sinne nachhaltigen Wirtschaftens werden die Schalen geshreddert und als Mulchmaterial angeboten. Ideal wegen der Dichte (das Unkraut kommt nicht durch) und schneckenunfreundlich weil so scharfkantig.
Neben den 6 Tonnen aus eigenem Anbau kaufen die Stieglers jährlich noch 12 Tonnen von benachbarten und befreundeten Landwirten zu. Diese beraten sie auch in Sortenauswahl und Anbaumethoden damit eine gleichbleibende Premiumqualität sichergestellt ist.
2014 brachte dann ein Desaster für die Familie. Fast der komplette Hof brannte ab. Aber auch einen Neuanfang. Denn der Fritz Stiegler wollte nicht mehr nur Zulieferer für andere Betriebe sein, sondern gleichzeitig auch selbst Nussverarbeiter. Und das traf sich gut.
Denn sein Sohn Martin wollte einsteigen.
 
Als der Hof abbrannte hatte Martin Stiegler an der Fachhochschule für Landwirtschaft in Triesdorf gerade seinen Bachelor erlangt. Und so einigten sich Vater und Sohn darauf, dass der Vater die Landwirtschaft betreibt und der Sohn mit seiner eigenen Firma – der Franken Genuss – die Verarbeitung übernimmt. Nach seinem Landwirtschaftsstudium sammelte er noch zahlreiche Erfahrungen in einem Haselnuss-Großbetrieb in den USA. Dort bekam er zahlreiche wichtige Impulse für den Anbau und die Veredelung von Haselnüssen und vor allem auch hinsichtlich der Vermarktung. Mit einem umgebauten Kaffeeröster verarbeitet er nun seine Haselnüsse selbst. Durch das Rösten gewinne die Nuss mehr Aroma und schmecke danach intensiver und mehr oder weniger nach Nougat, schwärmt Stiegler. Heute gibt es Haselnussöl, Haselnuss-Creme (mit 55 % Haselnüssen und nicht wie beim Marktführer mit 15 %), Haselnussnudeln, Haselsnusscantuccini, Haselnuss-Salz und sogar Haselnuss-Toffie.
Martin Stiegler legt auch Wert auf die regionalen Wirtschaftskreisläufe. Egal ob Verpackungen, Etiketten oder das Mehl, alles kommt aus der Region. Ebenso wie viele seiner Abnehmer – wie die Sterneköche Alexander Herrmann oder Felix Schneider oder den Freibäcker Arnd Erbel und die Confiserie Rieglein.
Seinen eigenen Landwirtschaftsbetrieb hat Fritz Stiegler auf Bio umgestellt. Ab 1.1.2018 tragen seine Nüsse dann auch das Biosiegel und es werden dann zwei Produktlinien angeboten.
Alles in allem eine gelungene Geschichte, wenn der Vater mit dem Sohne gemeinsam an Premium Qualität aus Franken arbeitet.
 Tolles Produkt. Tolle Produzenten, die von ihrer Arbeit beseelt sind und uns Slow Foodern einen tollen Tag beschert haben.
Danke Fritz, Danke Martin.
Danke an Thomas Späthling für die Fotos

Pralinenpoesie – ein Rückblick (von Uschi Aßfalg)

Die Pralinenpoesie Manufaktur in einem ruhigen Hinterhaus in der vielbefahrenen Rothenburger Straße ist eine One-Woman-Show. Julia Stark stemmt alles alleine: Die Fertigung der köstlichen kleinen Verführungen, die Werbung dafür und den Verkauf auf Märkten und im Internet. Und sie weiht in Seminaren in die Kunst der handwerklichen Pralinenherstellung ein.

Den Raum dominiert ein mächtiger Arbeitstisch mit zweigeteilter Platte, halb Edelstahl, halb Marmor. Links davon zieht eine Maschine den Blick auf sich, aus deren Düse im oberen Teil  unaufhörlich ein gänzlich gleichmäßiger  Strahl an Schokolade fließt und im unteren verschwindet. „Das ist eine automatische  Temperiermaschine, hergestellt in einem schwäbischen Familienbetrieb und ordentlich teuer“, erläutert Julia Stark.

Durch das Temperieren werden Kakaobutterkristalle stabilisiert und homogenisiert. Das Verfahren verhindert, dass diese Kristalle an die Oberfläche der Schokolade wandern, wodurch ein weißer Film entsteht. Es ist daher wichtig, sich ganz genau an die angegebene Temperaturkurve zu halten, um eine glatte, glänzende Schokolade ohne weiße Flecken zu erhalten.

Bei dem kontinuierlich arbeitenden System wird die flüssige Schokolade durch mehrere hintereinander angeordnete Wärmetauscher befördert, die sie zunächst zur Kristallisationstemperatur abkühlen und anschließend wieder leicht erhitzen. Dabei werden die erstarrenden Anteile durch bewegliche Teile ständig Scherkräften ausgesetzt und von den Oberflächen der Wärmetauscher abgeschabt.

Beim Pralinenkurs konnten sich die Schnecken des Conviviums Nürnberg darüber schlau machen, wie Schokolade hergestellt wird. Ähnlich wie das Genussmittel Kaffee wird auch Schokolade aus Bohnen gewonnen. Sie wachsen an bis zu 15 Meter hohen Kakaobäumen, versteckt in größeren Früchten,  umgeben von weißem Fruchtfleisch. Die Kakaobohnen werden aus dem Fruchtfleisch befreit und in Behältnisse gefüllt oder zugedeckt mit Bananenblättern auf dem Boden gelagert.

Nun ruhen die Bohnen einige Tage und fangen an zu gären; dies nennt man Fermentation – ein wichtiger Schritt für die Schokoladenherstellung und eine besondere Kunst, wie Stark ausführte. In unterschiedlichen Verfahren entwickelten sich viele Geschmackskomponenten.  Die Kakaobohnen bekommen ihre typische dunkle Farbe, Bitterstoffe lösen sich auf und die Aromen entstehen. Danach werden die Bohnen getrocknet und in Säcken in die ganze Welt verschickt.

Die Kakaobäume wachsen in Ländern, die am Äquator liegen. Die Elfenbeinküste ist der größte Kakaobohnen-Exporteur. Ein  Drittel der Welternte kommt von dort – gewonnen mit schlimmster Kinderarbeit.  Weitere wichtige Lieferanten sind Ecuador, Ghana und Indonesien.

Die gereinigten Kakaobohnen werden getrennt nach Sorten sorgfältig bei 130-150°C geröstet. Bei diesem Vorgang bildet sich aus den Aromavorstufen des Rohkakaos das volle Schokoladenaroma. Die edelsten Kakaobohnen werden in drei Klassen eingeteilt: die Edelkakaos Criollo, Trinitario und Forastero.

Aufgereiht auf Backpapier warten auf der Marmorplatte kleine dünne runde Schokoladenböden darauf, dass sie weiterverarbeitet werden. Die Pralinenmacherin stellt, anders als die meisten ihrer Kollegen die Hohlkörper selbst her, aus hochwertiger Schokolade (Grand Cru – Großes Gewächs) eines kleinen französischen  Familienunternehmens.

„Damit Pralinen gelingen, braucht es nicht viel“, betonte Diplom Biologin Julia Stark: „Gute Zutaten, das richtige  Rezept und die richtige Technik.“ Für   Pistazienmarzipan seien lediglich Pistazien, guter Likör und Schokolade erforderlich. Das mit der Technik probieren

Nadja Ellen Häger und Johann Werner an Ort und Stelle aus. Zunächst hieß es Händewaschen, denn Hygiene ist das A und O in der Manufaktur. Die erste Herausforderung: Mit dem Spritzbeutel die Marzipanmasse gleichmäßig mittig auf die Schokoladenböden platzieren. Geschafft. Die zweite: Die filigranen Schokoladenböden mit der Marzipanmasse unfallfrei mit der Pralinengabel vom Backpapier lösen und zum Topf mit der flüssigen Schokolade balancieren. Gemeistert.

Und jetzt die Kür: Die halbfertige Praline vorsichtig von der Gabel hineingleiten lassen, herausfischen, abtropfen lassen, Gabel vorsichtig am Topfrand so abstreifen, dass möglichst keine „Nasen“ entstehen und das Ganze zurück auf das Backblech transferieren. Bravourös gemeistert – und das  vor Publikum. Dann heißt es für die kleinen Kunstwerke: Ab in die Kühlung zum Trocknen.

Die von Julia Stark handgefertigten Pralinen haben ihren Preis. Dass sie ihn wert sind, demonstrierte sie, indem sie den Schnecken im Vergleich dazu auch industriell hergestellte Schokolade vorsetzte: Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Und der erklärt sich laut Stark so: „Die Industrie verwendet vielfach statt hochwertiger Kuvertüre und teuren Haselnüssen Fettglasuren, Zucker und billige Zusatz- und Konservierungsstoffe.“ Sie selbst verarbeitet unter anderem die Haselnüsse von Fritz Stiegler aus Franken, dessen Betrieb die Nürnberger Schnecken vor kurzem besuchten.

Zurück zu den Rezepten. „Neue zu entwickeln ist gar nicht so einfach, denn die sogenannte Ganache, die Grundlage der meisten Pralinen, gelingt nicht immer“, sagt Stark.

Alle Bilder finden Sie hier:

Zu finden sind Julia Stark und ihre Pralinen donnerstags auf dem Erlenstegener Wochenmarkt und freitags auf dem am Koberger Platz sowie auf speziellen Schlemmermärkten und nach telefonischer Vereinbarung ((0911) 144 104 62) in ihrer Pralinenmanufaktur in Nürnberg, Rothenburger Straße 174.

Die Seminare kosten zwischen 44 und 99 Euro.

kontakt@pralinenpoesie.de

 


 

Auszug aus einer Forschungsreihe des Instituts für Entwicklung und Frieden:

Weltweit bauen rund 5,5 Mio. Kleinbauern Kakao an. Niedrige und in Folge von Preisschwankungen unsichere Einkommen, schlechte Arbeitsbedingungen sowie Kinderarbeit  sind in diesem Sektor weit verbreitet. Die Kleinbauern verkaufen die Kakaofrüchte an Unternehmen,
welche Vorprodukte für die Schokoladenindustrie herstellen. Der Weltmarkt für die Verarbeitung von Kakao und die Herstellung von Schokolade wird von einigen wenigen Unternehmen beherrscht, die damit über einen großen Einfluss auf dem Markt verfügen. Im Jahr 2001 haben
die Verbände der Schokoladen‐  und Kakaohersteller als Reaktion auf Presseberichte über die Arbeit von Kindersklaven auf westafrikanischen Kakaoplantagen das Harkin‐Engel‐Protokoll unterzeichnet. In dieser freiwilligen Vereinbarung sicherten die Verbände zu, bis 2004 die schlimmsten Formen der Kinderarbeit zu beenden. Die Umsetzungsfristen des Protokolls wurden mehrfach verlängert und es zeichnet sich bis heute nicht ab, wann es vollständig umgesetzt sein wird. Zugleich starteten mehrere Kakao und Schokolade  verarbeitende Unternehmen Versuche, die eigene Lieferkette zu kontrollieren und gegen Missstände in den Anbauländern von
Kakao vorzugehen. Sie bauen interne Kontrollsysteme auf oder arbeiten mit etablierten Zertifizierungsgesellschaften zusammen. Die Projekte erfassen erst einen kleinen Teil des Marktes. Die Entwicklung in der Kakao-  und Schokoladenbranche zeigt die Grenzen freiwilliger Prozesse. Fortschritte werden nur sehr langsam und in geringem Umfang erzielt. Ein weiteres großes Problem ist die Beschränkung vieler Initiativen auf die Reduzierung der Kinderarbeit in
Ghana und der Elfenbeinküste. Damit werden die Unternehmen und ihre Verbände den von John Ruggie, Sonderbeauftragter des Generalsekretärs der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte, formulierten Anforderungen an transnationale Konzerne nicht gerecht. Um dies zu ändern, wäre ein international verbindlicher Rechtsrahmen, der die Einhaltung der Menschenrechte in den Lieferketten von Konzernen durchsetzt: ein wichtiger Schritt nach vorne.

Wild in Bild & Bauch (von Torsten Härtelt)

Die “Befreiungshalle” für männliche Gäste

“Wilde Zeiten in Ansbach” könnte man in Anlehnung an eine legendäre Slowfood-Veranstaltung auf dem Schweigelberg hier auch schreiben.

Bei Christian Fuhrmanns launigen Worten zum Thema Jagd dachten viele an “unsere” Marga, hat sie doch auch die sehr patriarchalische Seite der Jagd erfahren “dürfen”, als sie als Jägerin in eine bis dato reine Männerdomäne vorstieß.

Aber fangen wir vorne an! Am 4.11. traf sich eine gut gelaunte und gänzlich unbewaffnete Schar vor der Residenz der Markgrafen zu Ansbach um etwas über die jagdlichen Aspekte der Einrichtung zu erfahren. Schließlich hinterließ die

Leidenschaft des “Wilden Markgrafen” oder auch Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach auch einige Spuren in seinem wohnlichen Umfeld. Von 1712 bis 1757 machte er die Wälder großräumig unsicher und gab ein Zehntel des

Staatshaushalts dafür aus – satte 2,3 Millionen güldene Münzen zuwenig in der Kasse “erfreuten” nach seinem Ableben die Erben…

Im Anschluß siedelten wir in den Schwarzen Bock zu Christian und Meike Fuhrmann um, wo beide uns die Zeit bis zum Essen mit allerlei Wissenswertem vertrieben und auch jagdliche Gegenstände erläuterten und herumreichten. So eine Sauspitze hat schon was…

Die Küchenmannschaft hat dem Eintrag in den Genußführer Ehre getragen und brachte die folgenden traumhaften Speisen auf den Teller:

Reh auf Kartoffel – Rehwurst “polnische Art” an knoblauchsländer Kartoffelsalat

Winterlicher Salat mit gebratenen Wildschweinfilets an Bock´scher Cumberlandsauce (viele begehrten mehr davon!)

Rehrücken mit gebratenem Semmelkloß und Kastanie

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Bockschmarrn (süße Spätzle) mit Zwetschgenröster

Vielen Dank für den genussvollen Abend! Wer also mal Bock auf Wild hat – auf in den Schwarzen Bock nach Ansbach!

Mehr Bilder von Bernd Steigerwald zu dieser Veranstaltung gibt es hier:

 

 

Kinderkochkurs „Rätsel“ – von Helga Balletta)

„Was ist das: Sie sind rund, nicht zu groß und nicht zu klein, salzig oder süß, manchmal auch gefüllt, manche passen zum Schweinebraten oder zur Pilzsoße und einige auch zu Kompott. Ihr habt es sicher schon erraten. Und wenn nicht, dann lasst euch beim Kochkurs überraschen!“

So lautete die rätselhafte Frage in der Ankündigung des Kochkurses. Die Kinder hatten natürlich erraten, worum es ging (zumindest die, die sich die Ankündigung überhaupt angeschaut hatten… ;-) ).

Es gab Knödel als Leberknödelsuppe, Brezen-Serviettenknödel mit Pilz-Sahnesoße, gefüllte Hefeknödel auf Sauerkraut und als Nachtisch Aprikosenknödel (um diese Jahreszeit natürlich mit Trockenfrüchten). Aber seht doch selbst:

Text und Fotos Helga Balletta

Rückblick auf Samstag, 14. Oktober 2017: 2. Zukunftsmarkt im Elan (von: Helga Balletta)

Auch dieses Jahr war unser KiKoKu wieder dabei und mit Emily, Sephora und Eunice drei Köchinnen, die schon 2015 ihre Erfahrungen damit gemacht haben.

Das Gemüse holten wir dieses Jahr nicht vom Bauernhof, sondern wir bekamen es von einer Freundin. Sie hält Hühner und hat eine Abmachung mit einem Supermarkt, von dem sie jeden Tag die Reste bekommt. Bedingung ist, dass sie alles, was übrig ist – hauptsächlich Obst und Gemüse, manchmal auch Pflanzen – abnehmen muss. Zuhause wird dann erst mal sortiert: Was noch gut zu gebrauchen ist, wandert in den Kochtopf (manchmal auch bei Freunden oder Nachbarn), die Pflanzen werden im Garten wieder aufgepäppelt und über den Rest freuen sich die Hühner. Was uns überrascht hat: Es sind in der Regel relativ kleine Mengen, die da „entsorgt“ werden, offenbar hat der Leiter des Supermarktes seine Bestellmengen gut im Griff. Und in den seltenen Fällen, wo es doch einmal zu viel ist, wird noch der Tiergarten beliefert.

Zum Glück war dieses Mal herrliches Wetter, trotzdem haben sich alle wieder auf den Rote-Bete-Gratin gestürzt. Eigentlich 2015 nur deshalb gemacht, damit wir wenigstens einen warmen Platz, nämlich rund um den Backofen, hatten, ist er inzwischen zum Lieblingsgericht unserer Kinder avanciert.

Es gab wieder Gemüsepfannkuchen, da es aber nur unser Neuling Julius als einziger unter großem Applaus schaffte, die Dinger im Ganzen umzudrehen, wurde das Gericht kurzerhand in Gemüsekaiserschmarrn umgetauft.

Als der Pfannkuchenteig alle war, hat Helene im Akkord Gemüsepuffer gebacken und als wir nur noch Gemüse übrig hatten, zogen Sephora und Eunice los und kamen plötzlich mit Eiern zurück, die sie vorher bei einem Rundgang am Foodsharingstand entdeckt hatten. Gegen 16 Uhr war alles aufgegessen, auch die Gemüsebrühe, die wir in essbaren Brottellern verteilten.

Ein großes Lob an unsere Kinder, die teilweise sechs Stunden auf den Beinen waren.

Und ganz herzlichen Dank an Hubert Rottner, der uns wieder seine mobile Küche geliehen hat!

 

(Wer möchte, kann sich Emily und Julius noch beim Schnippeln auf der Homepage der FN anschauen.)
http://www.nordbayern.de/region/fuerth/der-zukunftsmarkt-common-im-further-elan-1.6750415